Abschied von der Schulzeit

17.11.2019

In eigener Sache! Das war er nun, der Abschied von meiner Schulzeit. Noch einmal waren wir in Bochum , um uns von den Menschen, die mir so viel bedeuten, zu verabschieden. Wo wäre ich heute, wenn es diese Schule nicht geben würde. Eine Schule, die mich genommen hat , wie ich bin und der es egal war, ob ich die Welt anders wahrnehme und verstehe als die Norm. Ich war wichtig, nichts anderes zählte! Und was habe ich hier nicht alles gelernt. Ich habe meine Fachoberschulreife gemacht, obwohl mein Jugendamt der Meinung war, dass für Kinder wie mich ein Hauptschulabschluss reicht. Ich habe sehr gute Noten erzielt, obwohl meine ehemalige Klassenlehrerin der Meinung war, dass Asperger Autismus eine Modekrankheit ist und Mütter schlecht erzogener Kinder nur Sonderrechte wollen. Und ich fange in den nächsten Tagen an zu studieren, obwohl viele zu mir gesagt haben, dass aus mir sowie nichts wird. Und nur weil ich mit dem sozialen Zwang, diesem ewigen immer alles gemeinsam machen müssen, nichts anzufangen wusste. Man hat mir lange die Web.Schule verweigert, weil ich dort angeblich sozial isoliert wäre, hat aber in Kauf genommen, dass ich womöglich jahrelang unbeschult zu Hause gesessen hätte. Was ist das für eine Gesellschaft, die die Schwachen ausgrenzt und ausstößt, statt sie zu fördern? Was ist das für eine Gesellschaft, die verbietet und Hürden baut, statt zu helfen. Ich habe auf meinem Weg über die Web.Schule gelernt, dass es zwar wichtig ist einen Abschluss und gute Noten zu haben, aber es gibt etwas, was mir mittlerweile wichtiger ist. Und nur das zählt! Nicht was andere in dir sehen ist wichtig, sondern wie du dich fühlst, was du willst und was du in dir siehst. Und ich fühle mich gut, weil ich Menschen getroffen habe, die mich gelassen haben, wie ich bin, die mich nie gezwungen haben, mich zu verändern oder zu verbiegen. Die nie verlangt haben, dass ich mich anpasse oder verstelle. Bei Ihnen durfte ich sein wie ich bin, anders, besonders, behindert, eben ein junger Mensch. Und dafür danke ich jedem Einzelnen von Ihnen. Ihr habt mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Jeder Weg, den ich gehe, jedes Ziel, das ich erreiche, jede Zeile, die ich schreibe, alles habe ich Euch zu verdanken. Ihr habt mir geholfen meine eigenen Wert zu erkennen und dafür danke ich. Ich danke meine Großeltern, die immer zu mir standen, egal wie schwer es auch war. Ich liebe Euch! Ich danke meinem Lehrer Mathias Rinke, der an mich geglaubt hat, der wunderbaren Sarah Lichtenberger, die auch in den schwersten Zeiten zu mir stand, meinem Hauslehrer Herrn Bindl, der mich erfolgreich durch die Prüfungen gebracht hat, Herrn Bomhard, der zu einem echten Freund geworden ist , aber auch Frau Wolfgruber, die als Einzige beim Jugendamt erkannt hat, dass es auf den Menschen und nicht nur auf Paragraphen ankommt. Danke euch Allen, ohne euch wäre ich nicht das, was ich heute bin. Nun beginnt er, mein Weg zum Erwachsenen und das ich ihn ohne Angst, aber mit viel Zuversicht gehe, habe ich euch Allen zu verdanken. Und allen, denen es geht wie mir, die anders sind, als es die Norm verlangt, glaubt an euch. Gebt nicht auf und kämpft für eure Rechte. Jeder von uns kann es schaffen, wenn er es will. Und lasst euch von niemanden aufhalten, es gibt da draußen Menschen, die zu euch stehen, euch vertrauen und an euch glauben. Ihr seid nicht allein, ihr müsst nur wollen!