Meine Gedichte

Mit meinen Gedichten lernte ich meinen Autismus anzunehmen, mit meinen Büchern lernte ich mich zu verstehen, jetzt muss ich noch lernen mich zu mögen!

Hoffnung


Ich fühl mich wohl, bin ganz bei mir, und denk: ich hab es geschafft,
Ich lerne gut und hab' Erfolg, das alles gibt mir endlos Kraft,
Die Welt ist schön, es macht mir Spaß, ich war mir nie so nah.

Es trübt sich ein, ein Wind weht auf,  sag was geschieht dann da?
Auf einmal kommen dunkle, düstere und schwarze Wolken,
die Schatten der Vergangenheit. Soll ich ihnen folgen?
Vergangenheit, warum kommst du? Was soll ich dir noch geben?
Ich brauch dich nicht, es ist vorbei, lass mich doch endlich leben.
Doch sie packt zu, sie hüllt mich ein, ihr Atem lässt mich beben,
Ich frage mich, was jetzt passiert, Ich bin verwirrt, bin irritiert,
befürchte, dass sie mich verletzt, was will sie hier, was will sie jetzt?
Vor Angst wird mir ganz schlecht,
die Welt, die 'grad noch  fröhlich war, ist nun ganz ungerecht.

Dann denk ich nach, was will die hier, warum rennt sie mir nach?
Vergangenheit heißt doch vorbei, mach mich von allen Zwängen frei,
ja heute will ich siegen.
Ist sie allein?  Will sie zu mir, weil sie kein andrer mag?
Ja, irgendwann, macht alles Sinn, hinweg du alte Plag.
Ich schaue sie erst gar nicht an, ich will sie nicht mehr sehen.
Hau ab, geh weg, verschwinde jetzt, ich will dich überstehen.
Vergangenheit, ich zeige dir, wie stark ich bin und dann?
Raff ich mich auf und schieb sie weg, der Schreck, wehrte nicht lang.
Und auch wenn ich noch an sie denke, verliert sie ihre Kraft,
Zukunft, so heißt mein Rezept, ich habe es fast geschafft!
Vergangenheit ich lach dich aus, ach nein ich lach dir zu,
geh fort und komm nie wieder her,
Verlierer bist heut du!

Ich stehe auf, komme zu mir und trockne meine Tränen.
Dafür, dass sie mich leiden lässt, sollte sie sich schämen.
Hau ab, ich bin nicht mehr allein, bin voller Liebe und Vertrauen,
bleib gefälligst wo du hingehörst,
nach mir musst du nun nicht mehr schauen.
Bin stark und schau nicht mehr zurück,
Verschwinde, komm nie wieder!
In meinem Leben wohnt jetzt Glück,
ab heut bin ich der Sieger!

Meine Dämonen

Die Nacht ist kurz, ich wache auf,
es geht mir wieder einmal schlecht,
und manchmal frage ich mich verzweifelt,
ist mein Leben ungerecht?
Habe doch schon so viel ertragen, so viel erlebt,
und werde noch immer von Dämonen gequält.
hört das nie auf, ist das nie vorbei,
werde ich in diesem Leben niemals frei?
Diese Dämonen scheinen vom Leid besessen!
gibt es keine Gnade des Vergessens?
So viel erreicht, kann stolz auf mich sein
doch immer wieder holt mich Vergangenes ein.
Doch dann frag ich mich, wer die Angst denn bestimmt,
was tut man für uns, die wir anders sind?
Es sei normal verschieden zu sein,
dass reden uns die Politiker ein.
Da gibt es eine Rechtskonvention,
Teilhabe am Leben und Inklusion,
das Leben soll für uns barrierefrei sein,
doch nichts geht voran, wir klagen es ein
Was tut sich, was macht man, was wird daraus?
Ich glaube für uns zahlt sich auch das nicht aus.
Ich sehe, wie sich meine Eltern zerreiben,
um Unterstützung für mich einzutreiben
Nachteilsausgleich, Förderprogramm, 
persönliches Budget und sonstiger Kram,
Behindertenausweis und Pflegegeld,
laut Gesetz ja das Einfachste auf der Welt
Warum ist das so schwer?
Warum muss man sich plagen?
Nichts gibt es sofort, meist muss man klagen.
Eingliederungshilfe und Inklusion,
theoretisch hatten wir das alles schon,
nichts ist uns jemals auf Anhieb gelungen,
nur Formulare und Begutachtungen,
menschenverletzend,
dabei soll sich doch lohnen.
Warum frage ich da noch nach meinen Dämonen?
Ich möchte ohne diese Ängste anders sein und
und später einmal selbst bestimmt leben,
Ich möchte als Asperger, das was ich kann,
auch weiter an die Gemeinschaft geben
Ich möchte, dass man mich akzeptiert,
statt das man mich im Amt ignoriert.
Ich möchte doch nur hier auf Erden,
ein Teil dieser Gesellschaft werden.
Das geht nicht? Dann zeig mir ein Land,
wo man inzwischen zur Gemeinschaft fand,
wo Anderssein normal ist und Toleranz wohnt,
kurzum, dort wo sich das Leben lohnt.
Wo man mich so wie ich bin auch nimmt,
wo ich leben kann, ganz selbst bestimmt.
Dort wird sich auch mein Leben lohnen,
und ich habe Ruhe vor allen Dämonen.

15 Jahre web.Individualschule Bochum


Schule ist schön, du wirst Freunde finden,
so hatte man mir es am Anfang gesagt,
doch dann musste ich die Hölle erleben,
nur Tränen und Kummer und das jeden Tag.
Verletzt, ausgelacht, am Boden zerstört,
gemobbt, geschlagen, am Ende der Kraft,
kommst du an eine Schule, von der du dann hoffst,
dass du alles vergisst, was war und es schaffst,
zu lernen, zu leben und wieder zu fühlen,
dass anders sein nicht gleich das Ende ist,
man dich versteht, dich fördert, dich stützt
und dir zeigt, dass du weder Monster noch Dummkopf bist.
Eine Schule mit Lehrern, die hinter dir stehen,
dir zeigen, dass du nicht anders, sondern besonders bist,
ein Lehrplan, der abgestimmt auf dein Tempo,
dein Wissen und deine Stärken ist.
Fächer gefüllt mit deinen Spezialinteressen,
mit Dingen die du magst und die du verstehst,
kein Druck, kein Zwang, nur Respekt und Verständnis,
man zeigt dir hier, dass es auch anders geht.
Du wirst gefördert und man macht dich stark,
deine Seele, dein Geist, alles heilt ganz schnell,
nach kurzer Zeit hast du es verstanden,
diese Schule ist ganz einfach" individuell",
hier darfst du so sein wie du bist, du wirst nicht gezwungen,
man passt dich nicht an, du entscheidest hier mit
und du merkst, du schaffst es, du bist wer, du kannst was,
man macht dich hier für das Leben fit.
Du wirst ganz ruhig und ausgeglichen und
endlich werden hier Träume wahr,
du blühst auf und erholst dich,
hast Spaß am Leben, auch dein Selbstwertgefühl ist wieder da.
Ja, Schule ist ein Ort wo man lernt und sich wohl fühlt,
seit Monaten lerne ich frei von Angst, ich fühle mich wohl,
geborgen und glücklich, ich zeige jeden Tag, was ich leisten kann,
bin angekommen und fühl mich zu Hause,
bin stolz und zufrieden, man sieht es mir an.
Schüler einer individuellen Schule,
in der man beruhigt auch anders sein kann.

Mein Weihnachtsbaum

Der Schmuck an meinem Weihnachtsbaum

An meinen Weihnachtsbaum hänge ich diesmal Gedanken,
Gedanken was war und wie es sein wird.
Manchmal bin ich froh und manchmal traurig,
manchmal beseelt und manchmal verwirrt.
Ich zünde die Lichter an, ich will besser sehen,
sehen,  wohin mein Weg geht udn was aus mir wird.
Er ist nicht immer leicht, doch bringt er mich weiter.
Dorthin wo ich will? Oder komm ich zu spät?
Wer hilft mir, wer stützt mich, schaff ich es allein?
Nicht immer ist es leicht so optimistisch zu sein.

An meinen Weihnachtsbaum hänge ich diesmal Gedanken,
Gedanken an Alle, die mich begleiten,
an die, die bei mir waren, als es mir gut ging,
an die, die noch heute mit mir still leiden.
Ich werde nie vergessen, was sie für mich getan,
will ihnen auf ewig dankbar sein.
Und ich werde ihnen zeigen, mein Weg wird sich lohnen,
denn mich begleiten Zuversicht, Mut und Elan.

An meinen Weihnachtsbaum hänge ich diesmal Gedanken,
Gedanken an die, die man noch immer verkennt,
sie sitzen vergessen und unbeschult zu Hause,
nur weil ein Amt wieder seine Pflichten verpennt.
Da gibt es Gesetze, Erlasse, Bescheide, da gibt es die
Behindertenrechtskonvention,
doch keiner setzt sie um, man verdreht sie, verletzt sie
und jeder denkt, die schaffen das schon.

An meinen Weihnachtsbaum hänge ich diesmal auch Hoffnung,
Hoffnung, dass man uns versteht und  uns nicht zwingt,
anders zu sein, sich anzupassen, uns zu verbiegen,
so zu sein wie wir nicht wollen und wir auch nicht sind,
Hoffnung, dass wir einst an der Gesellschaft teilhaben
mittendrin und verstanden, respektiert und dabei,
wenn wir uns nicht mehr verstecken, sondern kämpfen,
dann wird mein Herz auch von diesen Fesseln frei,
Wir erfahren Respekt, Verständnis, Unterstützung und
hoffentlich auch viel Akzeptanz.
Und wenn wir das dereinst wirklich erfahren,
dann leuchten mein Baum im herrlichsten Glanz.

An meinem Weihnachtsbaum hängen in diesem Jahr
noch Dinge, die da nicht wirklich hingehören,
findet ihr ihn deshalb hässlich, unpassend und nicht schön?
Dann steht auf, versteht uns, kämpft und seit mit dabei,
macht Eure Herzen barrierefrei
Macht auf Eure Herzen, seit tolerant !
Beschwört die Vielfalt in unserem Land.
Und sollte euch mein Schmuck dennoch stören,
dann sogt dafür, dass wir dazu gehören.

Ich wünsche allen Menschen eine schöne und eine
friedvolle Adventszeit!

Euer Paul-Christian Mühlfeld